Apistogramma (cf.) caetei
Im Oktober 2010 bot jemand im Quarantaenebecken ein Paar Apistogramma caetei an (wie sich herausstellte, waren es sogar zwei Paare). Da mich die Bewohner der südlich des Amazonas in den Atlantik mündenden Flüsse schon seit einiger Zeit besonders interessieren und ich auch Apistogramma caetei bereits vor einiger Zeit mal auf meiner Wunschliste hatte, war ich natürlich sofort Feuer und Flamme. Wie so oft in solchen Fällen hätte mir das Transportproblem natürlich wieder einen Strich durch die Rechnung machen können, saßen die Tiere doch irgendwo an der belgischen Grenze. Glücklicherweise hatte die Anbieterin die Möglichkeit die Tiere per Overnight Express zu einem sehr fairen Preis (an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön) zu versenden und ich zufällig mal einen freien Tag, so daß ich die Tiere auch in Empfang nehmen konnte. So schwimmen nun zwei Paare seit dem 29.10.2010 in meinem Keller.
29.10.2010
Es klingelt an der Tür und der Express-Fahrer drückt mir eine Styroporbox in die Hand. Sogleich geht es in den Keller die vorbildlich verpackten Tiere auszupacken. Jeweils zu zweit in einem Transportbeutel, doppelt verpackt und mit Heatpack in der Box haben die Tiere die lange Reise gut überstanden, lediglich die Flossen haben ein wenig gelitten. Wie sich schnell herausstellte, gehören die A. caetei zu den etwas rabiateren ihrer Gattung und haben sich in der Enge des Raumes wohl ein wenig zugesetzt.
Nach der obligatorischen Eingewöhnung per Tröpfelakklimatisation bezogen die vier Neuankömmlinge erst einmal ein 60er-Becken, welches neben zwei Höhlen lediglich mit einem Haufen Javamoos eingerichtet war. Hier gab es dann gleich zur Begrüßung eine ordentliche Portionen Daphnien aus dem Auto-Tümpler, welche auch sofort gierig gefressen wurden.
Abbildung 2: Weibchen mit
leichten Flossenschäden |
Abbildung 3: Noch ein wenig blass –
Männchen kurz nach dem Einzug |
Abbildung 4: Erste Liebebekundungen?
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02.11.2010
Das ging aber fix, das erste Gelege ist da. Kaum ein paar Tage in der neuen Behausung und schon ist die Familienplanung in vollem Gange. Das zweite Pärchen hat nun aber nichts mehr zu lachen. Hier bestätigt sich nochmals, daß die A. caetei im Gegensatz zu vielen anderen Apistogramma-Arten zu recht handfesten Auseinandersetzungen neigen, ernsthafte Verletzungen sind zumindest auf engem Raum nicht auszuschließen. Daher habe ich das zweite Paar in ein separates Becken gesetzt und dem brutpflegenden Paar einige blonde "Box-Endler" zur Beschäftigung spendiert.
Die Umsetzaktion führte allerdings anscheinend zur Aufgabe des Geleges, so daß ich mich entschloss die Jungfische separat aufzuziehen. Von dem recht großen Gelege (> 80-90 Eier) verpilzte allerdings ein großer Teil, anscheinend hatte es hier beim ersten Versuch noch nicht so gut mit der Befruchtung geklappt. Die Aufzucht der ca. 35-40 Jungfische gestaltet sich bisher aber absolut problemlos.
Abbildung 5: Pärchen bei der Balz
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Abbildung 6: Weibchen im Brutpflegekleid
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Abbildung 7: Weibchen in Bruthöhle
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15.11.2010
Nach einigen Recherchen im Netz habe ich leichte Zweifel, ob es sich bei den Tieren wirklich um den "echten" Apistogramma caetei handelt. Gerade zu dieser Art gibt es eine Untersuchung von Jonathan Ready aus dem Jahre 2006, welche die bisher als Lokalformen von A. caetei bezeichneten Fische aus dem Caeté/Quatipuru/Piquioira, Capim/Guamá und dem Marapanim aufgrund von genetischen Untersuchungen und Verpaarungsversuchen als eigenständige Arten ansieht. Hierbei werden folgende Unterscheidungsmerkmale angegeben:
- A. caetei (Caeté/Quatipuru/Piquioira): Blau-graue Grundfärbung, blaue Glanzschuppen auf den Flanken und rote Wangenzeichnung ("Maske").
- A. cf. caetei (Capim/Guamá): Blau-graue Grundfärbung ohne blaue Glanzschuppen auf den Flanken, keine rote Wangenzeichnung.
- A. cf. caetei (Marapanim): Form mit Purputönen auf Flossen und Kiemendeckel.
Und nur die Form mit den charakteristischen roten Wangenzeichnungen ist laut der o.g. Untersuchung als der "echte", dem Holotypus entsprechende A. caetei (KULLANDER, 1980) zu bezeichnen. Aber eben diese rote Wangenzeichnung fehlte meinen Fischen, so daß der Verdacht nahe lag, daß es sich evtl. nicht um A. caetei handelt. Das machte die Tiere natürlich nicht weniger interessant, aber ich weiß halt ganz gerne genau, was in meinem Keller schwimmt.
So wie es aktuell aussieht, waren die Zweifel aber ein wenig verfrüht und die Tiere brauchten noch ein wenig um sich wirklich auszufärben, zumal sie ja auch noch recht jung sind. Inzwischen zeigt eines der Männchen sehr deutliche Anzeichen einer roten Wangenzeichnung. Zudem war die bisherige Halterin der Tiere so nett und hat nochmals beim Importeur der Tiere nachgefragt, ob es gesicherte Informationen zur Herkunft der Tiere gibt. Auch wenn solche Aussagen von Importeuren/Händlern zur Herkunft immer mit Vorsicht zu genießen sind, so passt die vom Importeur gemachte Fundortangabe "Rio Caeté" nun auch zum roten Zeichnungsmuster auf den Wangen. Bis die letzten Zweifel ausgeräumt sind, werde ich die Tiere hier erst einmal als "A. (cf.) caetei" bezeichnen.
17.11.2010
Die Herrschaften sind auf jeden Fall von der interessanten Sorte: Bei einem Blick ins Becken sehe ich das Weibchen wieder in einer der beiden Höhlen sitzen (60er Becken, eine halbe Kokosnuss links, eine rechts), darin ein Gelege, welches aber bei weitem nicht die Größe des ersten Geleges hat. Während ich noch vor dem Becken sitze, ist die Dame auf dem Weg in die andere Höhle auf der rechten Seite des Beckens. Und was sehe ich da? Das was ich nun gar nicht erwartet habe, nämlich die zweite Hälfte des Geleges. Mir ist ja schon einiges bei Apistogramma-Arten untergekommen, daß aber gleichzeitig zwei Höhlen zur Eiablage genutzt werden, ist mir vollkommen neu. Auf jeden Fall ist es ein durchaus lustiges Schauspiel, das Weibchen flitzt im Minutentakt von einer Höhle zur anderen und auch das Männchen schaut regelmäßig in beiden Höhlen nach dem Rechten. Hat ein wenig etwas von Tennis, ein ständiges Hin und Her – glücklicherweise ohne das beim Tennis dabei lautstark zu vernehmende Stöhnen oder Quietschen.
Abbildung 9: Aquariumeinrichtung
mit den beiden Bruthöhlen |
Abbildung 10: Begegnung auf
"halber Strecke" |
Abbildung 11: Jungfisch
aus dem ersten Gelege |
21.11.2010
Die Larven sind geschlüpft, so wie es aussieht in der linken Höhle einen Tag früher. Betreuung findet nach wie vor getrennt in den beiden Höhlen statt, also weiterhin "ganz großes Tennis".
Die Jungfische aus dem ersten Gelege entwickeln sich prächtig, bisher gab es keine Verluste zu beklagen. Dabei legen die Tiere eine geradezu rasante Wachstumsgeschwindigkeit an den Tag. Sie haben die im Nebenbecken schwimmenden Jungische von A. trifasciata "Rio Guapore", welche gut zwei Wochen vorher geschlüpft sind, nun schon um ein ganze Stück überflügelt.
25.11.2010
Heute nun schwimmen die Larven frei und auch eine Familienzusammenführung hat es gegeben, nun hält sich der ganze Schwarm rund um die Höhle im Javamoos auf der rechten Seite des Beckens auf. Beindruckend ist die unglaubliche Menge an Jungfischen. Auch wenn ein Zählen im Javamoosdickicht absolut unmöglich ist, so müssen es doch gut 100 Stück sein und das, obwohl das Paar noch recht jung ist. Diesmal war also – im Gegensatz zum ersten Gelege – die Befruchtungsrate um einiges besser.
Das Weibchen ist stetig damit beschäftigt den Pulk zusammenzuhalten und das Männchen sichert weiträumig das Revier, schwimmt aber auch immer mal wieder in den Jungfischschwarm und nimmt – ebenso wie das Weibchen – allzu mutige Ausreißer mit dem Maul auf und spuckt sie zurück in den Pulk.
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