Biotoecus sp. "New Tapajos"
Im Folgenden einige Erfahrungen und Beobachtungen zu Biotoecus sp. "New Tapajos", einer wirklich faszinierenden kleinen Zwergbuntbarschart. Als sich die Chance bot, einige Tiere dieser Art zu bekommen, griff ich natürlich sofort zu.
10.05.2007
Kurz vor der Rückfahrt mit der Bahn (ich war zu dem Zeitpunkt montags bis donnerstags beruflich in Frankfurt am Main tätig) habe ich mich - mit einer stabilen Kühlbox bewaffnet - auf den Weg zu Axel gemacht, um die Tiere, wie schon länger vereinbart, bei ihm abzuholen. Axel packte mir dann 14 Tiere (aufgeteilt auf zwei große 10l-Gerfierbeutel - 6/8) zu einem wahren Freundschaftspreis ein. Gegen 17:00 Uhr zottelte ich dann bei hochsommerlichen Temperaturen mit meiner Kühlbox voll Lebendfisch zum Westbahnhof, von da aus weiter zum Hauptbahnhof und dann Richtung Norden.
11.05.2007
Dank der unglaublichen Zuverlässigkeit der Deutschen Bundesbahn waren wir 15 dann "schon" – aber zum Glück alle wohlauf – um 01:00 Uhr zu Hause.
Nach einer guten Stunde "Tröpfelaklimation" bezogen meine 14 Mitreisenden der Tütenaufteilung entsprechend (sechs links, acht rechts) zwei inzwischen mehrere Wochen eingelaufenen 125l-Becken (50x50x50), welche bis zum Umzug ihr vorläufiges zu Hause darstellen sollten. Zu den Wasserwerten kann ich nur soviel sagen, daß es sich um fast reines Osmosewasser handelt, welches mit Erlenzapfen angesäuert wurde.
Anfänglich drückte man sich noch etwas auf dem Boden rum, aber schon nach einigen Minuten verspeiste man die angebotenen Daphnien gierig.
19.05.2007
Im linken Becken hat sich ein Paar gefunden und buddelt wie wild vor und in einer Höhle (halbe Kokusnuß) rum. Nun verstehe ich den Begriff "Minibagger", welchen ich mal im Zusammenhang mit der Gattung Biotoecus gehört habe. Das Areal im vorderen Bereich wird zaghaft verteidigt (insbesondere die drei "Boxendler" beziehen Prügel).
27.05.2007
Die Erdarbeiten haben merklich nachgelassen und andere Beckeninsassen werden auch im vorderen Bereich nicht mehr behelligt. Auf Axel's hinweis hin habe ich die Höhle noch einmal ordentlich mit Sand gefüllt und halb eingegraben.
28.05.2007
Es wird wieder gebuddelt.
06.06.2007
Überraschung: Beim morgendlichen Blick ins Becken sehe ich einen Schwarm von 40-50 - in meinen Augen geradezu winzigen - Jungfischen direkt im Bereich vor der Höhle rumschwimmen.
Mama und Papa sind äußerst bemüht andere Beckeninsassen fernzuhalten (sie schießen wie Torpedos auf Endler und sich nähernde Artgenossen - es knallt richtig) und gar zu erkundungsfreudige Jungfische werden konsequent vom Weibchen eingesammelt und in den Schwarm zurückgespuckt. Das Männchen ist hauptsächlich mit Revierverteidigung beschäftigt.
Mein Sohn (fünf Jahre alt) war auch äußerst entzückt, hatte er doch diese kleinen Kobolde sofort nach ihrem Einzug in sein Herz geschlossen (inzwischen hat er sich einen Klappstuhl direkt vors Becken gestellt). Dann die entscheidende Frage: "Papa, was fressen die?" Tja, für Artemia sehen mir die Kleinen noch fast zu winzig aus, zumal ich ausnahmsweise auch gerade keine Nauplien zur Hand hatte. Ok, den Tag werden sie schon überstehen, schnell noch Artemia angesetzt, am Abend sehen wir weiter.
06.06.2007
Zurück von der Arbeit, ab in den Keller. Jungische schwimmen immer noch munter rum, Mama und Papa kümmern sich bestens und die Kleinen zupfen immer wieder an den Buchenblättern rum. Gut, Artemia sind natürlich noch keine geschlüpft, dann muß halt wieder zu einer altbewährten Methode gegriffen werden: Es gibt gesiebten Tümpelschlamm zum Abendbrot.
Also raus in den Garten, einen meiner Miniteiche aufgewirbelt, einen Meßbecher abgeschöpft, Moment absetzen lassen, etwas Wasser abgießen und den Schlamm durch das zweitfeinste meiner Artemiasiebkombination (300 µ) gießen. Ich lasse dann das, was durchs Sieb gegangen ist, ein wenig absetzen und ziehe dann etwas von dem Bodensatz mit einer Einwegspritze mit aufgesetztem Schlauch auf und gebe es direkt in den Jungfischscharm. So habe ich es schon bei einigen Corydoras und auch bei Dicrossus praktiziert.
Auch bei den Biotoecus scheint es zu funktionieren, sie jagen sichtlich und die Bäuche füllen sich. Mein Sohn ist erleichtert.
07.06.2007
Hier einige Videos von Balz und Brutpflege:
Video 1 (ca. 17,5 MB) |
Video 2 (ca. 4 MB) |
Video 3 (ca. 6 MB) |
Video 4 (ca. 2 MB) |
| Video 1 | – | Höhlenpflege ist "Frauensache". |
| Video 2 | – | Mama und Papa scheinen sich immer wieder ihrer Zuneigung zu versichern. Sie schwimmt immer wieder auf ihn zu und gibt ihm einen mehr oder weniger liebevollen Stubser. Frei nach dem Motto: Bleib wachsam, wir schaffen das. |
| Video 3 | – | Verteidigt wird gegen jeden und alles. |
| Video 4 | – | Es wird immer wieder gewedelt: Sowohl das Männchen, als auch das Weibchen schwimmen immer wieder direkt in den Jungfischschwarm und "wedeln" mit der Schwanzflosse. Wollen sie den Jungfischen Frischwasser zuführen? |
07.06.2007
Artemia scheinen die Jungfische der Biotoecus noch nicht zu interessieren (vielleicht sind meine Nauplien auch einfach zu groß), also bleiben wir erst einmal bei Tümpelschlamm. Wenn es denn schmeckt...
08.06.2007
Am Abend werden nun auch Artemia- und Cyclops-Nauplien gierig gefressen.
09.06.2007
Die Anzahl der Jungfische hat merklich abgenommen. Nun sind es noch 15-20 und das obwohl die Eltern immer noch sehr eifrig bei der Pflege sind.
Die Ursache dafür scheint in einem merkwürdigen Verhalten begründet zu sein, welches ich beobachten konnte bzw. mußte: Einzelne Jungfische schießen plötzlich ohne einen erkennbaren Auslöser (kein Erschütterung, keine Bewegung vorm Becken etc.) aus dem Schwarm heraus, irgendwo in die Tiefe des Beckens. Dort lauern die anderen Artgenossen, welche sich so einen Happen für Zwischendurch natürlich nicht entgehen lassen. Was der Grund für dieses merkwürdige und tödliche Verhalten ist, kann ich nicht sagen.
11.06.2007
Nun sind es leider nur noch 5-6 Jungfische, die Besatzdichte ist wohl letztendlich für eine erfolgreiche Aufzucht doch zu hoch. Naja, demnächst wollen ja viele neue Becken besetzt werden (stehen schon in der Garage und warten).
16.06.2007
Leider sind jetzt auch die letzten Jungtiere verschwunden. Auf ein Neues dann im Keller.
30.06.2007
Das Weibchen des gleichen Paares hat schon wieder einen ganz violetten Bauch und gebalzt wird auch schon wieder. Die werden jetzt doch wohl nicht zu früh loslegen?
11.12.2007
Nun ist es endlich soweit, heute sind die Biotoecus in Ihre endgültige Behausung eingezogen. Das Becken hat die Maße 125x40x35(40) cm (siehe Ein VW-Bus voller Glas). Hier ein Bild kurz nach der Einrichtung (noch ein wenig trüb und die Pflanzen müssen sich auch erst noch "sortieren"):
Anfänglich drückte man sich noch ein wenig in den Ecken und auf dem Boden rum, inzwischen schwimmt man aber im Zehnertrupp (leider habe ich beim Umzug ins Provisorium und durch ein nicht abgedecktes Becken vier Tiere verloren) gemeinsam durchs Becken. Daphnien, Cyclops und weiße Mückenlarven schmecken auch schon wieder bestens.
12.12.2007
Hier nochmal ein paar aktuelle Bilder einiger meiner Biotoecus (nach dem Umzug noch etwas "Blaß um die Nase"):
Abbildung 4: Weibchen von
Biotoecus sp. "New Tapajos" |
Abbildung 5: Paar von
Biotoecus sp. "New Tapajos" |
Abbildung 6: Männchen von
Biotoecus sp. "New Tapajos" |
Die ersten zwei Bilder zeigen jeweils Weibchen, das dritte und vierte Bild ein Männchen und Bild fünf und sechs ist jeweils ein Pärchen zu sehen. Auf Bild fünf ist ganz gut der charakteristische violette Bauch des Weibchens zu erkennen, welchen die weiblichen Tiere meist kurz vor dem Ablaichen zeigen.
15.02.2008
Zur Zeit sind die Biotoecus nach einigen großzügigen Wasserwechseln mit kühlem Regenwasser wieder mit Laichvorbereitungen beschäftigt. Leider ist mir bei einem Wasserwechsel unbemerkt ein Tier aus dem Becken gesprungen und das obwohl die Abdeckscheibe nur wenige Zentimeter für den Schlauch angehoben wurde. Ich kann bei diesen Tieren also nur dringend zu einer sehr gründlichen Abdeckung des Beckens raten.
An dieser Stelle noch ein aktuelles Bild des Beckens (die Vallisnerien zicken rum wie immer, die Seerose hingegen scheint sich sehr wohl zu fühlen):
31.03.2008
So langsam tut sich was. Nachdem ich vor zwei Wochen ein Pärchen von der Gruppe separiert und reichlich mit bestem Tümpelfutter versorgt habe, werden die ersten Laichvorbereitungen getroffen. Die Höhle wurde schon fleißig ausgehoben und man interessiert sich auch sichtlich füreinander (Bild 3), wenn auch die Dame - trotz ordentlich Laichansatz und rosa Bauchregion (Bild 1) - noch etwas schüchtern ist.
Sehr interessant zu beobachten war auch, wie sich das Männchen innerhalb so kurzer Zeit entwickelt hat (siehe Abbildung 9). In der Gruppe war es dem "Platzhirschen" unterlegen und gab sich kaum als Männchen zu erkennen. Nun sind nach nur zwei Wochen die Filament der Bauchflossen um gut einen Zentimeter gewachsen und auch eine leichte Verlängerung des obersten Schwanzflossenstrahl ist schon zu erkennen. Zudem ist die Färbung sehr viel intensiver geworden.
Ich bin im Moment recht zuversichtlich, daß die beiden (ein zweites Pärchen sitzt schon im Nachbarabteil) in Kürze für Nachwuchs sorgen. Ich hoffe, daß die Biotoecus mich nicht enttäuschen.
Abbildung 8:
Weibchen mit Laichansatz
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Abbildung 9: Männchen nach Trennung
von der Gruppe |
Abbildung 10: Paar bei der Balz
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24.02.2010
Leider war obiger Optimismus wohl etwas verfrüht. Im Laufe des vergangenen Jahres habe ich alle Weibchen verloren. Diese zeigten immer einen starken Laichansatz (zumindest habe ich es so gedeutet) und verstarben dann kurze Zeit später. Ob es sich dabei um eine Laichverhärtung handelte, wie es gelegentlich berichtet wurde, kann ich nur vermuten.
Aktuell bin ich auf der Suche nach Tieren aus der Gattung Biotoecus, auch nach anderen Arten als die hier Beschriebene (B. dicentrarchus, B. dicentrarchus). Für Angebote oder Hinweise, wo Tiere zu beziehen sind, bin ich daher äußerst dankbar.
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Juan (2007-12-10)
Wunderschöne Fische die Biotoecus. Leider konnte ich bisher keine erwerben. Sehr schönes Tagebuch. Vor allem die Videos geben einen deutlichen Einblick.
Grüße
Juan