new01Wirklich ein Insektenfresser?

Am Samstag dem 07.02.2015 war es nach drei Jahren endlich mal wieder so weit, zusammen mit Malte und Fisker ging es zum Thementag Amerika zu Panta Rhei nach Wedemark. In der sehr schönen Anlage war einiges an interessanten Fischen jenseits des Mainstreams zu bewundern, für mich waren dabei natürlich insbesondere die Fische der Gattung Crenicichla von besonderem Interesse. Und da gab es einige, allerdings fast ausschließlich in der "Bullenklasse" oberhalb von 25cm - somit eher nicht so mein Ding.

Crenicichla cyclostoma - Weibchen
Crenicichla cyclostoma - Weibchen

Im hinteren Teil der Anlage fand sich dann aber ein WF-Paar Crenicichla cyclostoma, welches offensichtlich bereits so gut wie ausgewachsen war und so eben gerade noch in mein Größenraster passte. Eine kurze Recherche im Internet bestätigte diese Einschätzung und brachte zudem hervor, dass die Art sympatrisch zu den ebenfalls von mir gepflegten Crenicichla compressiceps im Einzugsgebiet des Rio Tocantins vorkommt. Also konnte ich nicht widerstehen - eigentlich waren Neuzugänge aufgrund des Kellerumbaus nicht geplant -  und ließ ich mir die Tiere von Jens Gottwald eintüten, der mir bei der Gelegenheit auch noch erzählte, dass es sich bei den beiden Tieren um die "Looser" einer größeren Gruppe handelte, welche er wieder aufgepäppelt hatte. Bzgl. der Verträglichkeit der Geschlechter war nichts zu erfahren, Jens sprach nur von Bier, vors Becken setzen...:-)

Zu Hause angekommen musste nun erst einmal Platz geschaffen werden. So musste ein C. compressiceps Paar, welches ein Becken der Größe 120x60x50cm bewohnte, sein zu Hause räumen (nein, es macht keinen Spaß zwei ausgewachsene C. compressiceps aus einem gut strukturierten Becken dieser Größenordnung zu fangen). Mit im Becken saß nur noch ein etwas kleineres Weibchen der gleichen Art, welches in der Vergangenheit in einer Gruppe bei heftigen Auseinandersetzungen ein Auge verloren hatte (also auch so eine "Looser", wobei das Tier nicht weiter beeinträchtigt schien) und welches seine festen Platz in der Rückwand hatte, wo sie nicht weiter behelligt wurde. Ich beließ das Tier im Becken in dem Glauben, dass es so die oberen Wasserschichten für sich hat.

Nach der üblichen Tröpfel-Aklimation setzte ich dann die beiden Neuankömmlinge ins das vorbereitete Becken, wo diese sich beide gleiche einen Unterstand im hinteren Bereich suchten und sich von der langen Reise erholen konnten. Man kam sogar schon raus, um die testweise angebotenen Wasserasseln zu fressen. Und da kommen wir auch schon zum Futter, im Cichliden Jahrbuch Band 1 schreibt Frank Warzel:

"...Die sehr versteckt und ausschließlich unter Steinen lebenden cyclostoma gewöhnen sich im Aquarium schnell an die neuen Lebensbedingungen und nahmen bereitwillig das angebotene Frostfutter an. Im natürlichen Lebensraum dürften Insektenlarven und kleine Wirbellose den Hauptbestandteil ihrer Nahrung ausmachen..."

Auffällig ist - neben der stark bodengebundenen Lebensweise (man stützt sich ähnlich einem Teleocichla meist auf den Bauchflossen ab) - das geradezu riesige Maul mit deutlich sichtbaren, hervorstehenden Zähnen. Hier ist C. compressiceps - ganz sicher ein Insektenfresser - ganz anders gebaut, dieser hat ein sehr kleines, schmales Maul und kann größere Brocken schlichtweg nicht bewältigen (was ihn aber nicht davon abhält auch mal einen jungen Guppy zu verspeisen).

ccyclostoma01 s ccyclostoma02 s Crenicichla cyclostoma- Weibchen

Crenicichla cyclostoma -
Männchen im Transportbeutel

Crenicichla cyclostoma -
Weibchen im Transportbeutel

Crenicichla cyclostoma -
Portrait des Weibchens

ccyclostoma07 s ccyclostoma08 s ccyclostoma09 s

Crenicichla cyclostoma frisst
Crenicichla compressiceps

Crenicichla cyclostoma hat
schwer zu schlucken

Crenicichla cyclostoma -
fast geschafft

Was ich dann aber kurz nach Gabe der Wasserasseln zu sehen bekam, hatte ich so nicht erwartet. Aufgrund der angebotenen Wasserasseln verließ das im Becken verbliebene C. compressiceps Weibchen die oberen Wasserregionen und fraß in Bodennähe auf einer Wurzel die dort hängen gebliebenen Wasserasseln. Das C. cyclostoma Männchen war mit den Wasserasseln auf dem Boden beschäftigt, blieb ab immer in Deckung unter einer Wurzel. Das änderte sich dann aber schlagartig als der Herr das C. compressiceps Weibchen erspähte. Die Wasserasseln interessierten ihn nicht mehr, er schnellte hervor und verschluckte das immerhin gut sechs Zentimeter lange Tier mit der Schwanzflosse voran fast bis zur Hälfte, spuckte es wieder aus biss herzhaft in die Seite, um es dann erneut loszulassen und gezielt mit dem Kopf voran zu schlucken. Anschließend wurde das C. compressiceps Weibchen - da konnte es zappeln wie es wollte - nach und nach verschlungen. Meine Sorge, dass das C. cyclostoma Männchen evtl. an dem Brocken schaden nehmen könnte (ich kenne das von jungen C. compressiceps, welche nach der Gabe von zu großem Lebendfutter schon verendet sind), war allerdings unbegründet. Der Herr brauchte nur etwas Zeit für die Verdauung und kümmerte sich später dann auch noch um die verbliebenen Wasserasseln.

Für mich stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob es sich bei C. cyclostoma wirklich um einen spezialisierten Insektenfresser handelt. Nicht dass ein Insektenfresser Fisch per se verschmähen sollte, die Tatsache, dass zum einen bei der Auswahl des Futters dem "dickere Fischbrocken" ganz klar den Vorzug gegeben wurde und insbesondere auch die Art und Weise, wie sich dieser Fisch "fachkundig" für den Verzehr zurechtgelegt wurde, lässt mich an der Theorie des Insektenfressers ein wenig zweifeln. Wir haben es hier vermutlich wohl eher zumindest mit einem Nahrungsopportunisten zu tun, bei dem Fisch durchaus hoch im Kurs steht. Ein weiteres Indiz hierfür ist, dass ich nach meinen Beobachtungen einige meiner Kroaten (Gambusia holbrooki) in das Becken gesetzt habe, welche aus den unteren Regionen immer wieder sehr genau beobachtet wurden und am nächsten Tag nicht mehr aufzufinden waren. Evtl. gibt es ja einen Zusammenhang zwischen der Anwesenheit von Crenicichla cyclostoma im gleichen Habitat wie C. compressiceps und dem ebenfalls im Cichlidenjahrbuch Band 1 von Frank Warzel zu findenden Verhaltens-Beschreibung zu Crenicichla compressiceps:

"... Dabei ist C. compressiceps in diesem Lebensraum keineswegs scheu und versteckt sich nur selten unter Steinen. Größere Höhlen oder Spalten werden sogar grundsätzlich gemieden. Möglicherweise liegt dieses Verhalten in der Tatsache begründet, daß zwei sehr viel größere und räuberische Crenicichla-Arten im gleichen Biotop vorkommen. Vielleicht ist auch das agile und sehr aufmerksame Verhalten von C. compressiceps auf diese Umstände zurückzuführen..."

Vielleicht sind es ja nicht nur die sehr viel größeren Arten. Man soll also auf jeden Fall bei der Vergesellschaftung mit anderen Arten nicht zu kleine und schlanke Mitbewohner wählen, zumindest nicht, wenn das Zusammenleben nicht nur von sehr kurzer Dauer sein soll...:-)

Crenicichla cyclostoma - Männchen Crenicichla cyclostoma - Männchen Crenicichla cyclostoma - Männchen

Crenicichla cyclostoma - Männchen

Crenicichla cyclostoma - Männchen
(leichter "Dackelblick")

Crenicichla cyclostoma - Männchen
(Zähne deutlich zu erkennen)

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